Dienstag, 19. August 2008

Menetekel

Lektion 1:
7. August 2008

In Köln Pesch wird eine Sauerstoffpipeline von einem Bagger aufgerissen:

- die Pipeline verläuft dort in 4 Metern!!! Tiefe
- die Pipelinetrasse ist durch entsprechende Pfähle gekennzeichnet
- selbst die Pläne über den Verlauf der Pipeline lagen angeblich bei den Bauarbeiten vor
- die Trasse wird mit Sicherheit regelmäßig vom Hubschrauber überflogen
- die Trasse wird mit Sicherheit regelmäßig begangen
- es handelt sich wahrscheinlich – der Nähe zum Bayer „Chemiepark“ nach zu urteilen – um eine Versorgungsleitung der Bayer AG, was ja – dem stets in die Öffentlichkeit getragenen Selbstverständnis des Konzerns folgend - für weltweit höchste Sicherheitsstandards steht

kurz: eine Pipeline, dreimal tiefer im Erdreich verlegt und damit noch um ein Vielfaches sicherer als die jetzt gebaute CO-Giftgaspipeline, wurde, trotz vermeintlich höchster Sicherheitsstandards, zerfetzt.

Lektion 2:
16. August 2008

Nur wenige Kilometer weiter nördlich von Köln Pesch, Mönchengladbach: eine CO2 Gaswolke strömt aus der automatischen Brandlöschanlage eines Lackdepots aus.

107 Menschen entgehen teilweise nur dank selbstlosem Einsatz heraneilender Rettungskräfte dem Erstickungstod, da das eigentlich nur zum Ersticken eines Feuers ausgebrachte CO2 wegen Windstille nicht abzieht, sondern sich in den angrenzenden Siedlungen ansammelt.

SICHER:

Zwei Ereignisse, die nichts miteinander zu tun haben, und dennoch zeigen sie dramatisch – vielleicht ein letztes Mal in dieser zeitlichen und räumlichen Verdichtung – welche Katastrophe der Bayer Konzern mit seiner CO-Giftgaspipeline riskiert:

Die in 1,4 Meter Tiefe geführte „sicherste“ Pipeline der Welt, wie Bayer und die Bezirksregierung Düsseldorf die CO-Giftgaspipeline durch die Siedlungen Erkraths, Hildens, Mettmanns, Düsseldorfs und Duisburgs klassifiziert, ist eben nicht sicher, wie die Wirklichkeit (siehe Lektion 1) gezeigt hat.

Die 107 Menschen, die fast in der CO2 Gaswolke erstickt wären (siehe Lektion 2), hätten in einer vergleichbaren CO Wolke, etwa freigesetzt durch ein schon kleines Leck in einer CO-Giftgaspipeline, NICHT ÜBERLEBT: der "Held von Mönchengladbach", Ludger Heiting wäre ebenso umgekommen wie die beiden erstickenden Kinder, die er im letzten Moment noch aus einem Auto retten konnte, dessen Motor aufgrund des Sauerstoffmangels stehen geblieben war.

ODER:

Kann sich jetzt noch einer vorstellen, dass sich HERR WENNING, HERR RÜTTGERS oder HERR BÜSSOW noch einmal hinstellen, um zu behaupten „die Pipeline ist sicher“?

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