Montag, 16. Februar 2009

Anhalter der Galaxis im Unwahrscheinlichen NRW

Schauen wir uns nur mal ein paar total und völlig und absolut unwahrscheinliche Ereignisse an, beispielsweise

- das ein britisches Atom U-Boot mit einem französischen Atom U-Boot im Atlantik kollidiert (Nachricht vom 16.1.2009)
- das ein russischer und ein amerikanischer Satellit sich zufällig im Weltraum rammen und zerlegen (12.2.2009)
- das ein Flugzeug in ein Wohngebiet stürzt (12.2.2009)
- aber auch das ein vollbesetzter Airbus A 320 auf dem Hudson notlandet und alle 155 Passagiere überleben - nahezu unverletzt (16.1.09)
- das seit spätestens 16.9.2008 eine globale Finanzkrise wütet, die sogar deutsche Banken an den Rand des Bankrotts (und darüber hinaus) führt und immer noch kein Ende findet
- das Börsenkräche sich alle paar Jahre wiederholen, obwohl sie nach Stand der Wissenschaft nur alle paar Milliarden Jahre möglich sein dürften.

Oder natürlich so absolut unwahrscheinliche Unwahrscheinlichkeiten wie
- Gaspipelineexplosion Weinbach-Gräveneck (August 2007)
- Ethylenpipeline Köln Worringen explodiert und abgebrannt (März 2008)
- Sauerstoffpipeline in Köln Pesch angebohrt und explodiert (August 2008)

Eins haben diese angeblich absoluten Unwahrscheinlichkeiten alle
gemeinsam: sie sind passiert, und zwar nicht irgendwann einmal in den letzten 15 Milliarden Jahren, = 6,7*10-11 (lesen: 6,7 mal 10 hoch minus 11) wo so etwas mangels Homo Sapiens gar nicht passieren konnte, sondern heute, gestern, vorgestern... Und sie werden heute, morgen und übermorgen immer wieder passieren.

Oder etwas irdischer: vor 4,6 Milliarden Jahren soll sich unsere Erde gebildet haben, einmal pro 4,6 Milliarden Jahre ergibt eine Wahrscheinlichkeit von 2,2*10-10.

Für dt. Ingenieure sind das eher Kinkerlitzchen, das können die besser. So lassen sie sich beispielsweise bei Pipelines gerne auch mal Versagenswahrscheinlichkeiten von 1*10-20 gutachterlich bestätigen. Also ein Platzer in 100 Trillionen Jahren.

„Platzer“ ist lustige Ingenieurenfachsprache und heißt, die Pipeline explodiert (haben wir hier in Duisburg bei Veenker gelernt).

Man unterscheidet dabei grob zwei Arten Platzer: heiße und kalte.

Kalte Platzer: heißt, das an der Bruchstelle der Pipeline austretende Produkt entzündet sich nicht;
Heiße Platzer: das austretende Medium entzündet sich, es kommt zur Explosion, das ausströmende Produkt fackelt ab.

Im Falle einer CO-Giftgaspipeline ist das Szenario „heißer Platzer“ bereits der „Beste Anzunehmende Unfall“, nennen wir es „BAU“. Das fetzt evtl. die ein oder andere Immobilie weg, samt Inhalt versteht sich, das passiert bei Erdgas- oder Erdölpipelines aber auch. Hier nennt man das allerdings GAU: „Größter Anzunehmender Unfall“.

Darüber kann eine CO-Giftgaspipeline allerdings nur lachen. Ihr GAU ist der kalte Platzer, wenn das unsichtbare, geruchlose Kohlenmonoxid seine volle Wirkung stickum so richtig entfalten kann… aber dieses Szenario ist noch viel unwahrscheinlicher als unser gesamtes Universum – sagen die Unwahrscheinlichkeitsmodelle unserer Ingenieure. Da kann ja nichts mehr schief gehen.


Latest News: die Wahrscheinlichkeit, das die Welt in 160 Jahren von einem Kometen mit 500 Meter Durchmesser getroffen wird liegt jetzt angeblich bei 7*10-4 (->)

Das Ding heißt „1999 RQ36“. Mehr hier ->

Nach bisher noch unbestätigten Unwahrscheinlichkeitsrechungen des RWTÜV – oder war es doch die IRO GmbH – wird der Komet genau im Chempark der Bayer AG in Leverkusen einschlagen.

Sorry Herr Wenning, dafür können wir hier in NRW nun wirklich nichts.

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