Freitag, 18. September 2009

Eine letzte Chance am Ende ihrer Tage

Wenning und Büssow sind offenbar am Ende angekommen. Ein letztes Mal auf der Jagd, gemeinsam schnell noch etwas Nachruhm sichern. Galt ihr ganzes Streben doch nur der geliebten Heimat, ihrem Nordrhein-Westfalen.

Wen interessierts?

Urteilen und der Nachwelt überliefern können wir hier im Rheinland gerne jenen Teil der Geschichte, wo zwei alte Jäger aus einer längst vergangenen Zeit meinten, mit der Planung und dem Bau einer unsäglichen Giftgasleitung unwidersprochen unseren Lebenraum queren zu dürfen, um sich billig, auf ander Leuts Kosten – wie man hier sagt, ein finales Denkmal zu setzen:

Die "Wenning-Büssow Kohlenmonoxid Transversale" – größenwahnsinnig erdacht, womöglich als Nukleus eines universalistischen Netzwerkes des Grauens. Letzter Gruß einer Generation, die schon immer tendenziell phantasielos, bis heute keinen Frieden finden kann in einer sich wandelnden Wertewelt. Einer Welt, in der Menschen sich nicht länger verheizen lassen wollen, in der Recht und Gesetz für alle gleich ist, in der Umwelt als knappes, kostbares Gut erkannt wird und nicht länger einer mittelalterlichen Industriepolitik beliebig zur freien Verfügung steht, einer Welt, in der BürgerInnen nicht länger Willens sind, potentiell tödliche Werksrisiken in ihre Wohnorte auslagern zu lassen, um Bayer und Co. Renditeexzesse zu ermögliche, mit denen uns die Finanzwelt bereits an den Abgrund führte und für die wir die nächsten hundert Jahre die Zeche bezahlen.

Wenning und Büssow, zwei alte Männer. Am Ende wieder da angekommen von wo sie einst aufbrachen, unten beim Volk. Jetzt stellen sie erstaunt fest, dass dort niemand auf sie gewartet hat. Verwirrt suchen sie Zuspruch und Gespräch, ein letztes großes Interview, Jour Fixes mit den Nachbarn.

Noch haben sie es in der Hand ihren Abgang versöhnlich zu gestalten: mit der Absage des CO-Giftgasleitungsprojektes könnten sich beide einen Platz in den Geschichtsbüchern der mutigen, weitsichtigen Persönlichkeiten sichern. Persönlichkeiten, die letztlich immer das Wohl der Menschen zum Maßstab ihres Handelns machten, die stark genug waren, eigene Fehler zu korrigieren. Dazu gehören auch Politiker und Manager aus NRW: Johannes Rau (Schneller Brüter Kalkar), der ehemalige Veba-Chef Rudolf von Bennigsen-Foerder (Wackersdorf) …

Oder eben nicht! Spätestens dann, wenn die CO-Giftgasleitung dereinst wider Erwarten doch in Betrieb gehen sollte: die Namen Wenning und Büssow würden immer mit diesem Frevel – diesem Verbrechen gegen die Menschen im Rheinland – verbunden sein.

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