Donnerstag, 17. September 2009

Pilatus - der alte Statthalter

À la Pontius Pilatus wäscht unser Regierungspräsident Jürgen Büssow seine Hände in Unschuld, markiert gar Härte (die RP spricht von „Machtwort“, 16.9.09, B1) gegenüber Bayer, Wingas, BMS, Currenta, wem auch immer:

„Sicherheit und Kommunikation werden großgeschrieben – PK des Regierungspräsidenten heute zur CO Pipeline“ (Pressemitteilung 168 2009)

ist das Thema der Pressemitteilung, mit der Büssow aus seiner Regierungsmachtzentrale in Düsseldorf am Rhein das Volk mal wieder „informieren“ will.

Gemeint ist zweifellos – wie immer – Desinformation, sprich: Volksverdummung!

Büssow ist, wie übrigens auch unsere Wirtschaftsministerin Frau Christa Thoben, oder der noch! Bayer Chef Werner Wenning, der Auffassung, dass man das Volk nur richtig betalken muss, um zum Ziel zu kommen. Ziel, das steht in diesem Fall für den Betrieb einer CO-Giftgasleitung, die die Büssow-Behörde dummerweise nicht nur quer durch dicht besiedelte Siedlungsgebiete plante und Bayer/ BMS und Wingas den Bau genehmigte, sondern die selbst unter den Augen einer kritischen Öffentlichkeit über Jahre groteske Abweichungen von den planfestgestellten Sicherheitskonzepten hinnahm und bis heute hinnimmt.

Unglaubwürdiger, wie in diesem Fall die Bezirksregierung Düsseldorf, kann sich eine Behörde nicht mehr machen.

Doch das war gestern, jetzt wird alles besser: in Ergänzung der „59 Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen (FAQ) sowie eine Auflistung verschiedener Baustellenprotokolle“ kündigt Büssow einen „Presse-Jour-Fixe mit Vertretern der Bürgerinitiativen“ an, „um die Menschen in Städten/ Regionen daran teilhaben zu lassen“…

Das hat uns noch gefehlt!

Fragt sich nur, woran sollen wir letztlich anderes teilhaben als an einem tödlichen Risiko eines Industrieprojektes, an dem die Shareholder der beteiligten Unternehmen – und zwar proportional zum „outgesourcten“ Risiko – ausschließlich gewinnen (sie nennen das intern richtigerweise Win-win)?

Für was soll dieser Kommunikationsschwachsinn also gut sein? Werden dadurch die zu dünnen Rohre etwa dicker? Wächst die Geogrid Matte um 20 cm? Wandert die CO-Giftgasleitung gar aus den Gefährdungsgebieten der Siedlungen aus? Fördert sie womöglich wundersam das Gemeinwohl, wie vom Gesetzgeber postuliert?

Der Plan ist die „Volksverdummung“. Das hier sagt tatsächlich alles ->

Wenning – ab sofort die „lame Duck“ der Bayer AG – gibt, in seiner „Sorge um den Standort NRW“ die Richtung vor:

„Es gibt relativ kleine, lokale Gruppen und Kommunalpolitiker, die sehr emotional agieren und Ängste schüren“... ein bisschen so wie Partisanen, oder? – kennt Wenning wohl noch aus Peru.

Und um die kümmert Statthalter Büssow sich jetzt intensiver. Denn „Wettbewerb“ hat in diesen Kreisen nichts mit „lebenswert“, geschweige denn was mit Recht und Gesetz zu tun. Im Gegenteil: eine gewisse vertikale Spannung hat der Produktivität noch nie geschadet - ganz alte dt. Schule eben.

Pilatus’ Plan:

1. Partisanen ans Kreuz, das Volk will es so.

2. Bayer/ BMS produziert von NRW aus Polycarbonat was das Zeug hält und überschwemmt – dank CO-Giftgasleitung - die Weltmärkte.

3. NRW wird von Bayer übernommen und unter chinesische Standards downgegraded.

4. Bayer kämpft in einem ewigen Blitzkrieg jeden Feind am Weltmarkt nieder.

5. China kapituliert!

6. Rüttgers wird Kaiser von China, da sein altes Reich kostengünstig abgefackelt wurde - mehr war einfach nicht mehr drin.

Übrigens, gute Nachrichten für Bayer-Mitarbeiter - hier Wennings „Vermächtnis“: „Wir drohen auch nicht mit einem Wegfall von Arbeitsplätzen – das ist nicht unsere Art.“ (Wenning in: Sorge um den Standort, NRZ 12.09.09).

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