Sonntag, 20. April 2008

Leitungs-Monopoly: ein Fall für das Bundeskartellamt

Monopole sind schlecht für den Markt weil der Monopolist die Spielregeln selbst bestimmt: was er in welchen Mengen, in welchen Qualitäten, zu welchen Preisen anbieten möchte, und zwar als einziger am Markt, ohne irgendeinen Konkurrenten. Man denke nur an die Zeiten des alten Fernmeldemonopols: drei Telefonapparate zur Auswahl (rot, grün, braun), und Preise, dass man schon als Kind lernte, das Telefon nur in Ausnahmefällen zu nutzen, und wenn es gar nicht anders ging, sich kurz zu fassen.

Der Monopolpreis ist betriebswirtschaftlich der Knaller, da man die gesamte Produktion zu dem Preis verkaufen kann, der immer das bestmögliche Betriebsergebnis garantiert.

Vergleichen Sie das mal mit der Wettbewerbssituation heute… „Deutschland quatscht sich leer“ mit Flatrates und bei ständig immer noch günstiger werdenden Angeboten.

Aktuell versucht man sich noch von anderen Alt-Monopolen zu verabschieden, die den Wettbewerb verhindern und die uns ihre Preise diktieren: von Netzmonopolen wie dem Leitungsnetz der Stromkonzerne beispielsweise.

Wenn jetzt dem Bayer Konzern politisch zugestanden wird die Chemieparks in NRW mit einem CO-Giftgas-Pipelineverbundnetz zu verbinden, haben wir allerdings ein schönes neues Netzmonopol. Ist das gewollt?

Ginge es allein um die Wettbewerbsfähigkeit der Bayer Kunststoffsparte, die Frage muss erlaubt sein: warum wird die Produktion dann nicht an einem Standort konzentriert? Uerdingen und Dormagen liegen kaum 30 km Autobahn voneinander entfernt. Wo liegt das Problem?

Es gibt nur eine plausible Erklärung: das Monopol gehört zum (neuen) Geschäftskonzept. Jeder Chemiebetrieb – denn das CO Gas ist ja angeblich nicht nur für die Kunststoffproduktion Bayers so wahnsinnig wichtig – der CO nutzten möchte, wäre von diesem Netzmonopol abhängig. Egal wie viel er auch davon benötigte, er müsste alles über Bayer beziehen, und die berechnen in diesem Fall nun einmal den Monopolpreis.

Und die Idee mit den Chemieparks sieht ja dann auch eher so aus, als ob es mit einem CO-Monopol noch lange nicht getan ist. Was ist mit den anderen Produktleitungsverbünden?

Nichts gegen eine gute Geschäftsidee, aber der Aufbau eines Monopols unterstützt durch die Landesregierung? Aufbau neuer Monopole in Zeiten der Zerschlagung alter Monopole? Chemie in NRW demnächst nur noch in von Bayer und Co. gemanagten Chemieparks, zu Bedingungen die von den alten Playern gleich mit diktiert werden? Auf Kosten und Risiko der BürgerInnen NRWs?

Das versteht die Politik in NRW unter "Standortvorteil"?

Aber was den Monopolverdacht angeht ist das dann auch ein Fall für das Bundeskartellamt!!!

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