Sonntag, 19. Oktober 2008

Respekt!

Nun hat es die Bezirksregierung angeblich geschafft, die „vergessenen“ Argumente aufzutreiben, die das Gemeinwohl einer CO-Giftgaspipeline durch die Wohnquartiere von 180000 unmittelbar an der Trasse lebenden BürgerInnen begründen sollen. Eigentlich hätte ich diese Begründung vom Parlament erwartet, oder?

Stattdessen dachten sich nun irgendwelche hoch dotierten Beamtenseelen, wahrscheinlich gleich abteilungsweise, auf Befehl ihres Dienstherren und mit freundlicher Unterstützung des Bayer Konzerns, einen Gemeinwohldruck aus, dass man sich wahrscheinlich nachträglich noch wunderen wird, wie es bisher ohne Giftgas überhaupt funktionieren konnte – unser NRW.

Noch sind diese Argumente allerdings GEHEIM, in einem schwebenden Verfahren muss man leider dazu schweigen. Erst nach der Verhandlung … wenn überhaupt.

Immerhin, soviel wissen wir bereits von der hauseigenen Bayer-Gewerkschaft IGBCE, hängen ALLE 150000 Arbeitsplätze der NRW Chemie vom Pipelinetransport dieses Giftgases ab… auch ist die Giftgaspipeline der ultimative Garant für sichere Arbeitsplätze am Bayer Standort Uerdingen… und nur Giftgas per Pipeline ermöglicht es Bayer, seinen Standort in Deutschland zu erhalten, ansonsten muss der Konzern sein Heil in anderen, toxischen Gasen gegenüber, toleranteren Ländern suchen…

Und überhaupt hängt mittlererweile die gesamte industrielle Zukunft NRWs an diesen 67km, bis dato noch vor sich hin rostendem, Stahl, denn wenn man so ein popeliges Industrieprojekt hier nicht mehr hinbekommt, so denkt Frau Thoben und die allmächtige Wirtschaftslobby, wie will man dann überhaupt noch weiter Industriepolitik nach Regeln „gestalten“, wie sie vor hundert Jahren vielleicht mal modern waren?

Doch WARUM sollten die BürgerInnen sich von solchen Argumenten in die Ecke drängen lassen?

Natürlich ist die Arbeitsplatzbedrohungkeule heutzutage eine mächtige Waffe geworden, mit der die Industrie das Volk gut und gerne in Schach zu halten pflegt. Doch es glaubt wohl keiner ernsthaft, dass mit diesem ca. 70 Millionen EURO billigen CO-Giftgaspipeline-Investment auch nur ein einziger Arbeitsplatz in der Chemie gesichert wird. Das Gegenteil kommt der Sache wohl näher, denn die Arbeiter am Standort Uerdingen, die jetzt noch vor Ort CO produzieren, sind dann überflüssig… ->

Auch die Verlagerung des Bayer Standortes ins Ausland wäre mal eine echte Maßnahme. Herr Wenning soll das doch mal als ad hoc Mitteilung den Aktionären des Konzerns, sprich den Eigentümern, vorschlagen… mal schauen was der Aktienkurs dann macht. Herr Wenning ist anschließend jedenfalls Geschichte… ->

Überhaupt ist ein Generationenwechsel hier lange überfällig: klar muss der Konzern auf Rendite getrimmt werden, aber warum dann mit Technologien aus dem „Mittelalter“? Ist der Bayer Konzern in dieser Unternehmenssparte so runtergewirtschaftet? Kunststoff kann von anderen Wettbewerbern offensichtlich auch ohne CO rentabel produziert werden. Da muss man dann halt mal für ein paar EURO forschen lassen oder entsprechende Verfahren „einkaufen“ (Dow kann das doch auch). Wir fahren schließlich auch Autos mit Airbags, ABS und Crash getesteter Fahrgastzelle (selbst was aus dem Auspuff kommt ist fast schon HighTech und unterliegt strengsten Umweltschutzkriterien)… und nicht mehr "Ente". Was wir von anderen Industrien selbstverständlich einfordern, nämlich mehr Sicherheit, d.h. Sicherheit auf der Höhe der Zeit, sollte wohl auch für einen Konzern wie Bayer unternehmerische Selbstverständlichkeit sein. Da ist man mit einer CO-Giftgaspipeline einfach 50 Jahre zu spät dran.

Und die Industriepolitik in NRW?

Statt neue Ideen zu entwickeln lädt Frau Thoben die im Saarland gescheiterten Kohlekraftwerksbauer ein, doch gerne in NRW zu bauen… und die CO-Giftgaspipeline soll mal der Regierungspräsident dem Volk nur besser erklären, dann klappt das schon…

Oder unser Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, der sich offenbar gerne in der politisch intellektuellen Erbfolge eines Ministerpräsidenten Johannes Rau sehen möchte… der echte Johannes Rau hat mal einen Industriewahnsinn namens Kalkar gestoppt… da waren 3,5 Mrd. EURO schon verbaut.

Respekt!

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