Donnerstag, 11. Juni 2009

Macht Bayer jetzt auf Heulsuse?

Oder wie soll man dass verstehen? Sie wollen nach Antwerpen abhauen?

Das wäre auch wissenschaftlich sehr interessant. Dann wäre das von Gutachten Prof. Dr. Karl im Planergänzungsbeschluss zugrunde gelegte Modell des Nobelpreisträgers Paul Krugman - wir erinnern uns, das, das belegen sollte, weshalb die CO-Giftgasleitung unbedingt erforderlich sei - widerlegt, am lebenden Objekt sozusagen, und nicht nur wie bisher aufgrund Gutachten Prof. Dr. Karls falscher Statistiken:

Sagt doch die Theorie Krugmans Standorten wie NRW eine hohe Anziehungskraft gerade für Produzenten von Massengütern nach, nämlich idealerweise dort zu produzieren, wo bereits eine entsprechende Kundschaft anzutreffen ist. Damit spart man, in diesem Falle Bayer/ BMS, in erster Linie an den Transportkosten und kann konkurrenzlos günstig einen bereits vorhandenen großen Markt versorgen.

Wie schon mehrfach gezeigt geschieht dies bisher auch völlig problemlos im Falle Bayer/ BMS bei der Produktion und Versorgung des Marktes, in diesem Fall mit Polycarbonat. So wird wie bereits anhand der amtlichen!!! Statistik gezeigt, die gesamte Inlandsproduktion in Deutschland auch hier abgesetzt.

Unter diesen Umständen wären die Eigentümer des Bayer Konzerns sicher “not amused” über eine Trotz-Verlagerung der Polycarbonatproduktion nach Antwerpen. Zumal Konkurrenz auf den Plan treten könnte, um den Markt in NRW zu übernehmen - wg. nur marginaler Transportkosten zu den Kunden eben. Schnellere Alternative: die Politik baut die Importbeschränkungen auf Kunststoffe ab, die bisher auf Kosten der Verbraucher die Produktion von Bayer/ BMS mit Einfuhrzöllen von 6,5% schützen, um kostengünstigerer Auslandkonkurrenz schnell und unkompliziert einen freien Marktzugang zu verschaffen - und wie wir es für unsere eigenen Exporteure ja auch immer wieder lauthals für deutsche Waren weltweit einfordern.

Gier nach noch ein paar zehntel Prozent mehr Rendite oder Managementversagen (warum z.B. keine Steamreformer in Krefeld-Uerdingen?) gepaart mit einer offenbar völlig überforderten Landesregierung in Gestalt ihres Exekutivorgans “Bezirksregierung Düsseldorf” war das Amalgam für den industriepolitischen Exzess, hochgiftiges Kohlenmonoxid-Gas per Rohrleitung durch Wohngebiete von 180.000 Bürgerinnen und Bürgern zu verfrachten.

Sowohl die involvierten Verantwortlichen von Bayer/ BMS selbst, als auch die verantwortlichen Politiker in der Landesregierung hätten es sicher in der Hand gehabt, ein solches Szenario zu vermeiden. Doch sie haben es - warum auch immer - nicht verhindert. Stattdessen wurde gegen den sich jetzt etablierenden Widerstand der Bürger durchexekutiert - rücksichtslos, und arrogant bis heute. Selbst vernichtende richterliche Beurteilungen ihres Handelns scheinen diese Lobbykraten in keiner Weise zu beeindrucken.

Wie abhängig/ unabhängig sind unsere Landespolitiker dieser großen Koalition aus CDU/ FDP/ SPD eigentlich schon/ noch und wem fühlen sie sich letztlich verpflichtet? Das betroffene Wahlvolk fühlt sich jedenfalls düpiert und sieht seine Interessen als billige Opfergabe auf dem Altar des schnellen Mammon preisgegeben. Preisgegeben von einer Politikerklasse die offenbar nicht bemerkt hat oder bemerken will, dass sich und wie sich das Klima ändert…

Wenn der Mensch den Vorzug von Umgehungsstraßen als Zuwachs an Lebensqualität erst einmal erlebt hat, den Unterschied von Sichtschutz (= Lärmschutz vor 20 Jahren) und modernem Lärmschutz nicht nur zu schätzen weiß sondern entsprechende Lösungen nach dem Stand der Technik auch politisch einfordert, dann kann man nicht eben mal hingehen und CO-Giftgasleitungen durch Wohngebiete verlegen. Im Gegenteil: heute möchten die Menschen nicht nur wissen was da sonst noch so alles in und unter ihren Wohnquartieren an brisanten Stoffen gelagert und durchgeleitet wird, sondern sie werden schon sehr bald auch für diese “Altlasten” in Gestalt von z.B. Chemielagern, Gas-, Wasserstoff- und Ölpipelines mit vollem Recht die Umgehungen Ihrer Lebensräume einfordern und durchsetzen!

Die Menschen hier in NRW sind jedenfalls zunehmend sensibilisiert. Sie werden zukünftig genauer hinschauen wenn die nächsten Projekte auch nur angedacht werden: Pipelines, Kraftwerke, Zementwerke, Baggerlöcher, Braunkohle, Steinkohle… seien wir ehrlich: kaum ein Land der Welt hat seinen Platz auf dem Planeten gründlicher geplündert als WIR IN NRW…

Wir werden auch genauer hinsehen wenn unsere Steuergelder in Lobbyprojekte wie “kunststoffland-nrw.de” fließen, in diesem Fall ein eingetragener Verein der Kunststoffbranche NRWs, mitgesponsert aus EU und NRW Fördertöpfen, in deren Vorstand sich gerne auch Ministeriale aus NRW tummeln:

Stellvertretende Vorsitzende:

Dr. Jens Baganz, Staatssekretär Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen

Beisitzer:

Dr. Walther Pelzer, Ministerium für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen


Wer da noch vertreten ist, z.B. von Bayer und Co., hier: http://www.kunststoffland-nrw.de/index.php?id=3

Ist das etwa in Ordnung im Sinne von "tut man so etwas"?

Das bisher gezeigte “Know how” dieser Landesregierung ist jedenfalls zu “leicht”. Und das sollten auch Unternehmen in NRW berücksichtigen bevor sie sich für einen vermeintlichen Vorteil an die Politik verkaufen und damit letztlich ihren guten Ruf riskieren und ggf. ruinieren und ihre Kunden verprellen - wie Bayer.

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